Madrid: Parklandschaft und Kulturzentrum
In der Nähe einer fast Natur belassenen Hochebene liegt eine der schönsten Hauptstädte Europas: Madrid. Als Reiseziel in aller Welt bekannt, bietet die pulsierende Metropole erstaunlich viele sehenswerte Parks und grüne Oasen. Sie zu erkunden, ist eine Reise wirklich wert.

Eine Stadt mit blühender Geschichte. Die historischen Parkanlagen und Grünflächen der spanischen Hauptstadt locken täglich Tausende von Menschen an, die dort entspannen und der Hektik der Moderne entfliehen. Historische Gartenkunst lässt sich hier vielfältig bestaunen.
Wer Madrid, die Hauptstadt Spaniens, mit dem Zug besucht, wird gleich von der ersten Sehenswürdigkeit – einem grünen Dschungel – begrüßt: in der Estacion de Atocha. Während von der benachbarten Puerto de Atocha Schnellzüge nach Andalusien rauschen und Hektik typische Bahnhofsatmosphäre verbreitet, gehen die Uhren hier anders. Ab 1888 wurde der atemberaubende Bau im Jugendstil von dem aus Bilbao stammenden Architekten Alberto del Palacio Elissague erbaut. Und bereits während der 1980er Jahre wurde der Bahnhof vom Stararchitekten Rafael Moneo in ein mondänes grünes Paradies unter der Glaskuppel verwandelt. Man fühlt sich unter der Dachkonstruktion aus Gusseisen und Glas wie in einer vergangenen Epoche, als hier weniger Geschäftsreisende, sondern Bildungsreisende die moderne Eisenbahn für ihre Entdeckungen nutzten. Anders als der Nordbahnhof Charmatin liegt Atocha mitten im Zentrum an der Plaza Emperador Carlos V.
Mitten im Zentrum gelegen, kann man in der Atocha-Wartehalle in vergangene Zeiten reisen.
Die alte Bahnhofshalle ist einen längeren Aufenthalt wert. Unter riesigen Palmen mit ihren elegant herabhängenden Wedeln entfaltet sich das Flair einer Weltstadt mit Vergangenheit. Die 3,5 Millionen Einwohner scheinen irgendwann hier vorbeizukommen, so groß ist das Gedränge rund um den Bahnhof, der einer der Verkehrsknotenpunkte Madrids ist. Eine Stadt, die schon am Bahnhof paradiesisch schön ist, lässt Großes erwarten.

Als geborener Madrileno oder als Tourist muss man sich aber erst im Gewimmel zurechtfinden: Reiseführer sind Pflichtlektüre, um auch die letzte touristische Stecknadel in diesem großstädtischen „Heuhaufen“ zu finden. Ein Blick auf den Stadtplan eröffnet jedenfalls hie und da erfrischende Perspektiven. Zwischen lawinenartigem Autoverkehr liegen mitten im Zentrum weitere Oasen. Madrid ist sehr schön, aber auch erstaunlich grün und mancherorts erholsam.

Trotz sengender Sonne findet man in den zahlreichen öffentlichen Parks immer ein Schattenplätzchen. Vom Bahnhof aus kann man – vorausgesetzt, das Gepäck ist aufbewahrt oder gar schon im Hotel - die Strapazen einer Zugfahrt im nahe gelegenen botanischen Garten vergessen. Oder bei schlechtem Wetter in das Museo del Prado gehen. Im Westen der Stadt atmet man die grüne Lunge Madrids: Parque Casa de Campo und Parque de Oeste am Ufer Manzanares sind ein Komplex weitläufiger Grünanlagen, die genauso großzügig sind wie das in Jahrhunderten gewachsenen Madrid. Die Casa de Campo ist eine mit dem für Madrider Hochebene typische Kiefern bestandene Grünfläche, die vor allem als freizeitfreundliches Naherholungsgebiet genutzt wird. Wer gut zu Fuß ist und auch längere Wanderungen nicht scheut, kann auf beschilderten Wanderwegen stundenlang die Gegend erkunden. In der Casa de Campo gibt es genug Möglichkeiten, den kulturell genussvollen Aufenthalt in Madrid einmal ein wenig zu verlassen. Auf einem kleinen See kann man rudern und anschließend am Ufer Picknick machen: auch ein Zoobesuch ist möglich und schließlich kann man auch in die Seilbahn steigen.
Mit der Metro zu den schönsten Grünanlagen der spanischen Hauptstadt – ein Vergnügen!

Im Westen der Stadt liegt auch ein moderner Park: der Parque del Oeste. Er ist eine der ruhigeren Anlagen, der abseits des Retiro-Rummels zu idyllischen Spaziergängen einlädt. Er wurde 1910 angelegt und ist auch etwas für Freizeitsportler. Denn die Höhenunterschiede sind bei Sommerhitze nicht gerade leicht zu überwinden. Besser ist es, gleich im Stadtteil La Moncloa zu beginnen und bis zum Paseo Pintor Rosales abzusteigen. Skulpturen ehren hier die Anführer lateinamerikanischer Befreiungsbewegungen, die ihre Heimat vom spanischen Kolonialismus befreiten. So avancierte der Park in den letzten Jahren zum Treffpunkt vieler lateinamerikanischer Einwanderer. In der Nähe ist der Tempel von Debod zu besichtigen, eine Anlage, die dem Assuan-Staudamm weichen musste und Spanien als Dank für sein Engagement bei der Rettung des Tempels von Abu Simbel als Staatsgeschenk übereignet wurde. Eine Reise nach Madrid ist eben auch eine Reise in die Vergangenheit – und in den herrlichen Parks sehr angenehm. Eine der größten Parks Europas ist der Parque Juan Carlos I. auf dem Campo de las Naciones. Mit der Metro bequem zu erreichen, bietet die riesige Anlage als besonderes Highlight abendliche Wasserspiele mit musikalischer Untermalung – allerdings nur donnerstags bis sonntags in der Zeit von Juni bis September – pünktlich um 22.30 Uhr.

Die Seen in den Parks sind ideal für Sommerfrischler.
Wasser spielt auch im Parque del Buen Retiro eine große Rolle. Der 1,4 Quadratkilometer große Park dehnt sich an Stelle der früheren Palastanlage aus, die 1632 unter Philip IV. errichtet wurde. Ihre barocke Pracht überlebte die Napoleonischen Kriege nur in Teilen, die heute verschiedene Museen beherbergen. Mit dem Botanischen Garten und dem Atocha-Bahnhof bildet dieser Park ein regelrechtes „grünes Dreieck“ im Osten Madrids. Inmitten der Anlage liegt der Estanque del Retiro, einen künstlichen See, in dessen unmittelbarer Nähe sich auch das Mausoleum von Alfons XII. befindet. Hier kann man für wenig Geld ebenfalls ein Ruderboot mieten und damit so lange man möchte auf der ausgedehnten Wasserfläche paddeln. Gerade sonntags kann man hier intensive Einblicke in das Familienleben der Madrider haben. Sie versammeln sich, um Konzerte zu hören, Puppenspielern oder Straßenkünstlern zuzuschauen. Allerdings ist es dann sehr voll im Park. Wer wochentags hierher kommt, wird dennoch unterhalten, wenn auch oft unfreiwillig: ein Zusammentreffen in Micky-Mouse-Kostümen ist recht wahrscheinlich. Die Aussichtspunkte zu erkunden, ist ein Vergnügen.
In der Stadt: bunte Blütenpracht im Kristallpalast.
Zu den prachtvollsten gehört der Palacio de Cristal, ein Glaspalast am Ufer eines Teiches. Dessen Bewohner – Enten und Wasserschildkröten – sind nicht nur dankbar für ein wenig Brot, sondern bestehen sogar auf einer Fütterung durch die Touristen.

Das Gebäude wurde 1887 von Ricardo Velazques Bosco entworfen und dem berühmten Londoner Kristallpalast nachempfunden. Nach einer gründlichen Renovierung werden dort wechselnde Bepflanzungen der Saison gemäß ausgestellt, so dass es immer etwas Blühendes zu sehen gibt. In der Nähe lockt die Rosaleda del Retiro, ein Rosengarten, der 1915 von D. Cecilio Rodriguez, dem damaligen Direktor des Grünflächenamtes angelegt wurde. Der Garten wirkt in seinem Charme fast englisch und entzückt dank regelmäßiger Bewässerung in den Sommermonaten mit einer Sinfonie aus Farben, Formen und Düften. Hier vergisst man schnell die in der Entfernung vorbeirauschenden Blechlawinen. So ist Madrid…